Sternwarte

Sternwarte 1962
Sternwarte 1962

Die Astronomische Station liegt am östlichen Stadtrand von Halle im Ortsteil Kanena. Es war die erste Einrichtung ihrer Art in der ehemaligen DDR. Im Jahre 1961 entstand die Sternwarte. Hier befand sich bis 1978 ein Coude’ – Refraktor, der heute am Raumflugplanetarium auf der Peißnitz steht.

Sternwarte 13.03.2002
Sternwarte 13.03.2002

Kanena wurde damals als Standort ausgewählt, weil hier im Osten von Halle die Lichtverschmutzung am geringsten war.

Telementor von Carl Zeiss Jena: 63/840 auf T-Montierung
Telementor von Carl Zeiss Jena: 63/840 auf T-Montierung

Gemeinsamer Beobachtungsabend bei Detlef Fliege am 04.05.2006

Das Hoch Paul bescherte uns einen wolkenlosen Himmel. Gegen 20.30 Uhr bauten wir die Technik auf. An diesem Abend standen den Beobachtern drei Teleskope zur Verfügung. Das erste Objekt war der Mond, der zur Hälfte beleuchtet war. Der Blick richtete sich auf das Mare Serenitatis. Mit dem 10” Schmidt-Newton sah man in dem Mare Wellen erstarrter Lava. Sie muss beim Füllen des riesigen Kraters vor ca. 3,8 Milliarden Jahren sehr dünnflüssig gewesen sein. Bei einigen Kratern konnte man mehrere Zentralberge erkennen. Der Meniskas lieferte am Mond ein etwas kontrastreicheres Bild.

Jupiter stand etwas zu tief. Die Atmosphäre ließ das Planetenscheibchen leider nur hin und her tanzen. So suchten und fanden wir im Laufe des Abends die Kugelsternhaufen M3, M13, die Galaxie M51 (leider kaum zu sehen durch störendes Mondlicht) und den Doppelstern Mizar im Großen Wagen.

Raumflugplanetarium

Das Raumflugplanetarium “ Siegmund Jähn “ in Halle auf der Peißnitz – Insel wurde durch das letzte Hochwasser 2013 leider so beschädigt, das es für immer schließen musste. Wir möchten hier an diese weltweit bekannte astronomische Bildungseinrichtung erinnern.

Raumflugplanetarium "Sigmund Jähn" Halle
Raumflugplanetarium „Sigmund Jähn“ Halle

1963 wurde das Kleinplanetarium in Kanena unter der Anleitung von Herrn Kockel erbaut. Ein häufiger Gast des Kanenaer Planetariums war der damalige Oberbürgermeister Hans Pflüger. Er war bei der Marine Offizier für Nautik, woraus seine große Begeisterung für den Sternhimmel resultierte.

Anfang der 70er-Jahre stellten die Carl-Zeiss-Werke in Jena ein neues Planetariumsgerät vor, von welchem der Oberbürgermeister fasziniert war. Die Carl-Zeiss-Werke in Jena suchten für ihren neuen Planetariumsprojektor ein Planetarium als Referenzobjekt für ihre Kunden.

Halle bekam den Zuschlag und so konnte der Bau 1976 beginnen.
Ursprünglich sollte der Standort des Planetariums der Stadtpark von Halle sein. Zur Vermeidung von Streulicht musste auf die Peißnitzinsel ausgewichen werden.

Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums

Um die Kosten für das Gebäude niedrig zu halten, nutzte man eine zur damaligen Zeit für Planetarien neuartige Bauweise.
Der hallesche Architekt Herbert Müller entwickelte in den 50er-Jahren die sogenannte HP-Schale, mit der sich ohne zusätzliche Träger ein großer Spannraum überbrücken ließ. Herbert Müller, im Volksmund auch „Schalenmüller“ genannt, projektierte und betreute den Planetariumsbau in seiner gesamten Bauphase von 1976 – 1978.

Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums

Der Rundbau, das eigentliche Planetariumsgebäude, wurde aus nur 5 verschiedenen Bauteilen errichtet, wobei jedes Bauteil 28 mal vertreten war. Die Schalenbauweise fand auch bei den Nebengebäuden Verwendung.
Das so errichtete Gebäude ist architektonisch einmalig, es gibt kein anderes Planetarium in dieser Bauweise.

Die hyperbolischen Paraboloidschalen fertigte die Firma Betonwerk Luckenwalde, alle anderen Betonelemente wurden im Betonwerk Merseburg hergestellt.

Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums

Zusätzliche Kosten verursachten die aufrecht stehenden HP-Schalen, da sie aufgrund von Regen keinen einheitlichen Grauton besaßen. Da für einen weißen Anstrich offiziell keine Gelder vorhanden waren, stellte der damalige Oberbürgermeister, nicht ganz legal, aus anderen Töpfen finanzielle Mittel zur Verfügung. Deshalb nannte die Bevölkerung das Planetarium auch den „Schwarzbau mit weißem Anstrich“.

Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums
Bau des Raumflugplanetariums

Raumflugplanetarium- Höhepunkte

Insgesamt hat der Bau des Planetariums 3,2 Mio. Mark der DDR gekostet, davon allein der Projektor vom Typ „Spacemaster DP1“ 700.000 Mark. Den Projektor hatte Halle schon um 300.000 Mark preisgünstiger von Carl-Zeiss-Jena erhalten, da das Planetarium in Halle für Jena als Referenzeinrichtung dienen sollte und das Gerät schon 1976 zur Messe in Leipzig ausgestellt war.

Sigmund Jähn hält Vortrag im Raumflugplanetarium
Sigmund Jähn hält Vortrag im Raumflugplanetarium
Karl Kockel vor dem "Spacemaster" Projektor (1978)
Karl Kockel vor dem „Spacemaster“ (1978)

Unter den zahlreichen Besuchern waren viele prominente Wissenschaftler, Kosmonauten, Astronauten aus aller Welt und hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik.

Kockel und Beregowoi
Kockel und Beregowoi

1992/93 waren schwere Jahre für das Planetarium. Nachdem aber nach langem Kampf Astronomie auch weiterhin als Unterrichtsfach an den Schulen von Sachsen-Anhalt gelehrt wird, erlebte das Planetarium Halle seine Renaissance.
Es ist nach wie vor eine Einrichtung der Stadt Halle. Allerdings schrumpfte das Personal von vormals 8 Mitarbeitern beträchtlich. Neben der Leiterin des Planetariums sind speziell für die Unterrichtsdurchführung 3 Lehrer mit insgesamt 21 Stunden pro Woche im Planetarium tätig.

Besucher

Astrostation Kanena

Dachsternwarte
Dachsternwarte
Karl Kockel in der Dachsternwarte
Karl Kockel in der Dachsternwarte

Im selben Jahr, in dem der erste Mensch die Erde verließ, baute Karl Kockel die erste Schulsternwarte in Halle-Kanena. Das Fernrohr, ein Zeiss 80/1200 auf der 1B-Montierung, wurde durch Schrottsammlungen finanziert. Diese Sternwarte wurde aber bald abgebaut, da die Rauchbelästigung durch den nahen Schornstein hoch war.

Brunnen und Sternwarte
Brunnen und Sternwarte
Coude in der Sternwarte
Coude in der Sternwarte

So entschloss man sich eine neue, größere Sternwarte zu bauen. Neben der Schule entstand ein Rundbau mit einem Durchmesser von 3,5m und einer drehbaren Kuppel. Man erwarb das erste größere Teleskop. Ein Zeiss Meniscas mit einer Öffnung von 150mm und einer Brennweite von 2250mm kam in der neuen Kuppel zum Einsatz. Am 25. August 1962 war Einweihung. Zwei Jahre später wurde ein Zeiss-Coudé-Linsenfernrohr installiert. Dieses Teleskop besaß eine Öffnung von 150mm und eine Brennweite von 2250mm. Coudé bedeutet „Knick“. Es war durch diese Konstruktion möglich auch in eine kleine Sternwarte ein Linsenfernrohr mit großer Brennweite einzubauen. Der Strahlengang wird in die feststehende Stundenachse geleitet. Bei dieser Konstruktion steht der Beobachter an ein und derselben Stelle im Gebäude, es bewegt sich nur das Fernrohr.

Rechteckgebaeude
Rechteckgebaeude
Teleskope im Rechteckgebäude (Zeiss-Refraktor, Newtonspiegel,Meniskas)
Teleskope im Rechteckgebäude

Im Jahre 1965 kam eine weitere Sternwarte hinzu, um mehreren Schülern gleichzeitig eine Beobachtung zu ermöglichen. In diesem Rechteckgebäude hinter dem Kuppelbau befanden sich ein Schmidtspiegel, ein Zeiss-Refraktor, ein Newtonspiegel, der Meniskas und Zeiss-Astrokameras zur Himmelsüberwachung.

Astronomische Station "Johannes R. Kepler" Halle - Kanena (1964)
Astronomische Station
„Johannes R. Kepler“ Halle – Kanena (1964)

Zwischen 1976 und 1978 entstand das Planetarium auf der Peißnitz. Die Sternwarte in Kanena wurde nun nicht mehr offiziell genutzt. Den Coudé- Refraktor brachte man in die Sternwartenkuppel auf der Peißnitz.

Auch die Teleskope des zweiten Sternwartengebäudes kamen nach der Wende, im Jahr 1993 zum Planetarium auf die Peißnitz.

In Kanena verblieb nur das erste Fernrohr, der Zeiss-Refraktor 80/1200.

mechanisches Modelle

Im Planetarium Halle – Kanena befinden sich 3 verschiedene Tellurien und ein mechanisches Modell zu Darstellung der Planetenschleife. Die älteren Modelle sind Geräte vom Sperrmüll, die in liebevoller Kleinarbeit und viel Zeit durch Herrn Klepzig wieder gangbar gemacht und restauriert wurden. Sie stehen dem Planetarium Kanena als Dauerleihgabe zur Verfügung.

Tellurium

Tellurium der Fa. Reiss (Bad Liebenwerda) 1965, Leihgabe T.Klepzig
Tellurium der Fa. Reiss (Bad Liebenwerda) 1965, Leihgabe T.Klepzig
Tellurium der Feinmechanischen Werke Leipzig (ca. 1970) Leihgabe T.Klepzig
Tellurium der Feinmechanischen Werke Leipzig (ca. 1970) Leihgabe T.Klepzig

Tellurium N vom Cornelson-Verlag (2005) Planetarium Kanena
Tellurium N vom Cornelson-Verlag (2005) Planetarium Kanena

Mit einem Tellurium kann man sehr anschaulich die Bewegungen von Erde und Mond erklären. Die beiden Himmelskörper sind auf einem Hebelarm so angeordnet, dass sie sich um eine Lichtquelle (Sonne) drehen. Mit dem Tellurium lassen sich viele Zusammenhänge in unserem Sonnensystem anschaulich erklären.

Planetenschleifen – Projektor

 Feinmechanische Werke Leipzig (1965) Leihgabe T. Klepzig

Feinmechanische Werke Leipzig (1965) Leihgabe T. Klepzig

Bei der Bewegung der beiden Planeten (rote und blaue Kugel) um die Sonne zeichnet der Projektor auf der roten Kugel eine Schleife an der Wand.

Reiss Tellurium

Grosses Tellurium im Kuppelsaal
Grosses Tellurium im Kuppelsaal

Das Tellurium der Fa. Reiss aus dem Jahr 1965 ist eines der am aufwendigsten gefertigten Geräte seiner Art. An diesem dreidimensionalen Modell können zahlreiche Bewegungsabläufe und Zusammenhänge in unserem Sonnensystem aus der mathematischen Geographie und Astronomie anschaulich erklärt werden. Mit dem Tellurium können auch verschiedene Messungen vorgenommen werden.

Tierkreis
Tierkreis

Die Bewegungsabläufe sind nicht gekoppelt, so dass die einzelnen Bewegungen der Himmelskörper Schritt für Schritt aus den einzelnen Komponenten zusammengesetzt werden können.

Theodolit auf Meridianbügel für verschiedene Messungen
Theodolit auf Meridianbügel für verschiedene Messungen

Das Tellurium ist im Planetarium mit dem Sternprojektor ausgerichtet, so dass viele Zusammenhänge in Verbindung mit dem Sternenhimmel erläutert werden können. Das ist einzigartig hier im Planetarium Kanena.

Darstellungsmöglichkeiten

  • Mondphasen, Venusphasen
  • Finstenisse von Sonne, Mond und Venus
  • Stellung und Entfernung der Erde zu den verschiedenen Jahreszeiten
  • Sonnenstand für unterschiedliche Orte und geografische Breiten in Abhängigkeit von der Jahreszeit
  • Längen von Tag und Nacht zu den Tag und Nachtgleichen und zur Sommer u. Wintersonnenwende
  • Was ist ein Tag und was ein Jahr (Rotation, Revolution)
  • Darstellung der Bewegung der Mondknoten
  • scheinbarer Lauf der Sonne durch den Tierkreis
  • Richtung der Erdachse auf den Himmelsnordpol
  • Konjunktion, Elongation der Venus
  • Darstellung der Präzession der Erdachse
  • u.v.m.
Monatsanzeige
Monatsanzeige
Tageszeitanzeige und beleuchteter Ort auf dem südlichen Wendekreis
Tageszeitanzeige und beleuchteter Ort auf dem südlichen Wendekreis
Präzssionsscheibe und Entfernungsanzeige
Präzssionsscheibe und Entfernungsanzeige
Mondphase und Nachtseite mit zwei beleuchteten Orten auf der Erdkugel
Mondphase und Nachtseite mit zwei beleuchteten Orten auf der Erdkugel

Sonnensystemprojektor

Sonnensystemprojektor
Sonnensystemprojektor

Mit dem Sonnensystemprojektor lassen sich die Bahnen der Planeten um die Sonne anschaulich darstellen.

Der Tierkreis kann an die Kuppel projeziert werden und man sieht, wie die Sonne durch die Tierkreiszeichen wandert.

Auch bestimmte Planetenstellungen lassen sich einstellen.

Dieses Gerät hat wie der Sternenprojektor schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber es funktioniert noch tadellos.

ZKP1 – Ansichten

Der Tagbogen der Sonne. Im Sommer steht die Sonne hoch über dem Südhorizont, im Winter steht sie wesentlich tiefer. Sie zieht täglich ihren Bogen von Ost nach West, aber die Auf- und Untergangspunkte verschieben sich im Lauf eines Jahres.

Tagbogen der Sonne
Tagbogen der Sonne

Die Uhrzeit am Himmel
Die Uhrzeit am Himmel


Auch die Uhrzeit läßt sich am Himmel ablesen, denn das gesamte Himmelsgewölbe dreht sich in rund 24 Stunden scheinbar um den Polarstern.

Die Sonne und ihre Planeten. Mit dem Sonnensystemprojektor kann man den scheinbaren Lauf der Sonne durch den Tierkreis und Planetenbewegungen anschaulich darstellen.

Sonnensystemprojektor
Sonnensystemprojektor

Sonnensystem-Projektor, Ekliptik, Äquator
Sonnensystemprojektor, Ekliptik, Äquator


Wie funktioniert das Äquatorsystem? Was ist die Ekliptik? Wo befindet sich der Frühlingspunkt? All diese Fragen und noch mehr können im Planetarium auf einfache Weise erklärt werden.